Ortsfestausschuss - Duisdorf e. V.
Ortsfestausschuss - Duisdorf e. V.

Geschichte über das "Duisdorfer Weinfest"

Aus der Zwangslage geboren - heute nicht mehr wegzudenken: das Duisdorfer Weinfest

Die Römer hatten hier schon Wein, die karolingischen Franken und weitere Nachfahren ebenso. Weinbau an den Hängen des Hardtbergs gibt es nachweislich seit Jahrhunderten. Selbst Kanoniker des Bonner Cassiusstiftes hatten hier ihren Wingert. Viele Flurbezeichnungen und Duisdorfer Straßennamen dokumentieren das.

 

Auf der Landkarte von 1803 ist überall auf den Südhangen in und um Duisdorf das "V" für Vin=Wein vermerkt. Nach den Aufzeichnungen des damaligen Maire Andreas Brünker gab es zur Zeit der französischen Besatzung unter Napoleon 184 Kölner Morgen (ca. 58 ha) Rotweinflächen in Duisdorf. Erst 1899 war mit dem bertrieblichen Weinbau in Duisdorf Schluss. Adolf und Matthias Schurz rodeten den Weinberg in der Flur "Im Sennet" und wandelten die Fläche in ein Gemüsefeld um (das als eines der letzten innerörtlichen Freiflächen im Oberdorf derzeit bebaut wird).

 

Wein gehörte in Duisdorf zum täglichen Getränk, wenn er auch unserem heutigen Geschmack nicht entsprechen würde. Erträge und Qualitäten waren unterschiedlich. Ein besonderer Jahrgang muss der 1811er gewesen sein. Der Weinpreis lag im Herbst 1811 bei 8 Brabänder Kronentaler, im Januar 1812 zahlte man 10, im März 14, im September bereits 17 und im Oktober 1813 zahlte man im Dorf für den 1811er 38-40 Reichstaler. (Ein kleiner Vergleich für die Währungsrelation: Um 1830 verdiente ein (Fach-)Arbeiter etwa einen Taler in der Woche.)

 

Dennoch darf man davon ausgehen, dass die Weinbauern in Duisdorf ebenso wie die an Rhein und Mosel auch damals schon mit Nachbarn in froher Laune die Bekömmlichkeit des neuen Weins getestet haben. Aufzeichnungen darüber haben wir leider nicht gefunden.

Neuanfang

1926 gründete sich die „Duisdorfer Dorfgemeinschaft", um die Veranstaltungen der verschiedenen Duisdorfer Vereine zu koordinieren, um die Teilnahme an Jubiläen und die sozialen Aktivitäten abzusprechen. Krieg und NS-Zeit waren auch für die Duisdorfer Vereine eine Zäsur.

 

Als sich nach dem Krieg die Ortsvereine zusammenschlossen und einen „Ortsfestausschuss" bildeten, dachte niemand an ein Weinfest. Das wurde erst gut zehn Jahre später aus der Not geboren. Das Wiederaufleben der Gründungsaktivitäten der Dorfgemeinschaft musste finanziert werden. Aber die Kassen waren leer. Die Einnahmen aus dem „Köttzoch“ am Kirmesmontag reichten kaum. Mit dem deshalb ergänzend jährlich veranstalteten „Tag der Dorfgemeinschaft" mit Sportveranstaltungen, Theateraufführung und Großem Ball war auch nicht genügend Gewinn für die Aufgaben des Ortsfestausschusses zu erwirtschaften. Im Januar 1961 hatte man zu dem noch eine jährliche Veranstaltung für die Duisdorfer Senioren beschlossen, die nun auch finanziert werden musste. Eine neue Finanzquelle musste her.

Weinfest wird aus der Taufe gehoben

Die Idee, ein „Duisdorfer Weinfest" durchzuführen, war geboren. Hans Hagen und Jean Brack, damals Stellvertreter und Vorsitzender des Ortsfestausschusses, machten aus der Not eine Tugend.

 

Zwar hatte der „Duisdorfer Junggesellenverein EINTRACHT 1906" am 21. Oktober 1951 bereits einmal ein Winzerfest mit Festzug und Festball im Saal Schnitzler-Peters, dem heutigen Kulturzentrum, durchgeführt, aber es wurde keine Tradition daraus. Nun sollte es dies werden. Am 12. und 13. Oktober 1963 fand zum ersten Mal in Duisdorf ein .offizielles' Weinfest statt. Es hatte noch einen sperrigen Namen: „Tag der Dorfgemeinschaft unter Mitwirkung aller Duisdorfer Vereine im Zeichen des Deutschen Weines". Einladende waren Duisdorfs Bürgermeister Hans Josef Bost und an die Anwohner der Rochus- und Schmittstraße, „für den Festzug zu Ehren der Deutschen Weinkönigin, die auch zum Weinfest nach Duisdorf kommen wird, ihre Häuser zu beflaggen“.

 

Das erste Weinfest begann am Samstag um 15 Uhr (damals noch regulärer Arbeitstag, 48 Std./Woche) mit der Eröffnung eines Weinbrunnens und des Weinkellers an der Mehrzweckhalle. Um 19.30 startete in der Halle der „Große bunte Abend".

 

Der Frühschoppen am Sonntag konnte am Weinbrunnen oder im Weinkeller der Sporthalle stattfinden. Drei Gläschen Wein kosteten am Weinbrunnen und im Weinkeller 1 DM. Nach dem Mittagessen war im Rathaus ein Empfang für die Deutsche Weinkönigin sowie die Gebietsweinköniginnen von Mosel und von Nahe. Anschließend Festzug der Weinköniginnen mit Ratsmitgliedern, sachkundigen Bürgern und Ortsfestausschuss zur Sporthalle, dort Platzkonzert. Ab 18 Uhr Tanz und Unterhaltung in der Sporthalle. In der Aula der neugebauten Rochusschule fand erstmals eine Weinprobe statt.

 

Seitdem ist das „Duisdorfer Weinfest" alle zwei Jahre. Es gehört zum nicht mehr wegzudenkenden Bestandteil Duisdorfer Vereinslebens und ist Anziehungspunkt für Tausende aus dem weiteren Umkreis. 1965 gab es eine Neuerung. In der persönlichen Einladung des Duisdorfer Bürgermeisters zum Weinfest ist zu lesen:

 

„Auf die Möglichkeit, auch die Hausfrauen durch die Teilnahme an dem Mittagessen aus den Feldküchen neben der Sporthalle am Sonntag, 17. Oktober 1965, zu entlasten, weise ich besonders gerne hin." Die Bundeswehr bot Gulasch mit Reis zu 1,50 DM und Erbsensuppe mit Fleischeinlage zu 1,- DM an. (Zum Vergleich: Facharbeiterstundenlohn 4,86 DM, Arbeiterin 2,80 DM, 1 Liter Milch 0,34 DM, 1 Ei 0,25 DM, Wohnungsmiete 2 Zimmer, Küche, ohne Bad 58,70 DM/mtl.)

1967 - ab jetzt offiziell „Weinfest"

1967 stand ganz unter dem Zeichen der Partnerschaft zwischen Duisdorf und Villemomble. Im Juni war in Villemomble der Partnerschaftsvertrag unterzeichnet worden. Mit einem Sonderflug reiste unter Führung des Villemombler Bürgermeisters Robert Calmejane erstmals eine Partnerschaftsdelegation zum Duisdorfer Weinfest an. Von den Lichtmasten der Ortsdurchfahrt und an den Häusern wehten die Flaggen Frankreichs und Deutschlands, der Stadt Villemomble und Duisdorfs.

Duisdorf hat eine eigene Weinkönigin

 

Seit 1973 gibt es die Duisdorfer Weinkönigin. Die Wahl war zu jener Zeit ein „richtiger Staatsakt". Auf dem damals üblichen Kirmesball wählten die Besucher unter den drei Kandidatinnen der Ortsvereine - später soll es auch Eigenbewerbungen gegeben haben - die Duisdorfer Weinkönigin. Die Spannung im Saal auf das Wahlergebnis stand einer heutiger Parlamentswahl nichts nach. Erste Duisdorfer Weinkönigin wurde Helga l. Schmitz.

 

Großer Festumzug mit Weinausschank an die Passanten und Festball wurden Tradition. Mit den Jahren entwickelte sich das Weinfest zu einem immer bedeutenderen Höhepunkt im Duisdorfer Vereins- und Gesellschaftsleben.

 

Die Besucherzahlen am Festumzug stiegen und stiegen, 30.000, 40.000. Die Umzüge wurden immer länger. 1991 zwölf Fußgruppen, 18 mit vielen Ideen geschmückte Festwagen, fünf Autos, zwei Kutschen. Zehn Jahre später 2001 waren es über 600 Zugteilnehmer, 24 Fußgruppen, 16 Festwagen, 9 Musikkapellen, elf Pkws. 2009 waren es über 800 Zugteilnehmer, 20 Fußgruppen, 12 Festwagen, acht Kapellen, zwölf Pkws.

 

In den vergangenen fast 50 Jahren hat sich nicht nur Duisdorf gewandelt. Aus der ehemals selbstständigen Gemeinde im Landkreis Bonn mit gerade gut 10.000 Einwohnern, davon rund 3.000 Vertriebenen und Flüchtlingen, ist ein Stadtteil von Bonn mit rd. 30.000 Einwohnern geworden.

 

Auch das Duisdorfer Weinfest ist etwas anders als vor 50 Jahren. Nicht nur, dass die Duisdorfer Weinkönigin nicht mehr per „Volksabstimmung" auf dem Kirmesball - den es seit langem nicht mehr gibt - gewählt wird, sondern von den Repräsentanten der Duisdorfer Vereine.

 

Die Krönung der Weinkönigin findet auch nicht mehr auf dem Kirmesball oder anlässlich der „Bürgermeister-Weinprobe" in der vollbesetzten Mehrzweckhalle statt, sondern am Freitag des Weinfestes inmitten der Weinstände der Winzer auf dem Schickshof, umrahmt von einem bunt gemischten Unterhaltungsprogramm.

 

Ebenso hat der „Bunte Abend im Zeichen des Weins" seinen Standort gewechselt und kann jetzt ohne Eintritt im Festzelt Am Schickshof besucht werden.

 

Geblieben sind an diesen Tagen die ganztägige Unterhaltung und Beköstigung auf dem Schickshof, der Empfang der neuen Weinkönigin bei unseren Senioren im Wilhelmine-Lübke-Haus und natürlich der Festumzug, umjubelt von vielen Tausend Besuchern. Ganz zu schweigen von der guten, wenn nicht ausgelassenen Stimmung in Duisdorf. Dabei darf der Dank an die vielen Aktiven in den Duisdorfer Vereinen nicht vergessen werden, die mit ihrem Einsatz das alles ermöglichen.

OFA Veranstaltungskalender 2017
OFA Veranstaltungskalender 2017.pdf
PDF-Dokument [148.1 KB]
Druckversion Druckversion | Sitemap
©2014 OFA Duisdorf